Schweizer Krankenhäuser interessieren sich nicht für nachhaltige Bettwäsche, obwohl …

Eine neue Studie zeigt, dass Schweizer Spitäler kaum für nachhaltig produzierte Bettwäsche sensibilisiert sind und sie entsprechend selten einkaufen. Dabei zeigen das Kantonsspital St. Gallen zusammen mit SaniRent und Dibella, dass das Mieten von Bio- & Max Havelaar-zertifzierter Bettwäsche nur minimal teurer ist als das Mieten von konventioneller Bettwäsche. Das Circular Economy Business Model von Wäschereien lässt also die 10-20% Mehrkosten im Einkauf für Bio/Fairtrade-Baumwolle gegenüber konventioneller Baumwolle enorm schrumpfen. 2:0 für die Circular Economy!

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  • Bericht: „Beschaffung nachhaltiger Flachwäsche durch Schweizer Krankenhäuser“ von BSD Consulting“
  • Serviceteil zum Bericht mit Interviews mit Dibella, Kantonsspital St. Gallen und SaniRent.

Mark Starmanns hat für BSD Consulting mit Marcel Heuberger vom Kantonsspital St. Gallen (KSSG) gesprochen. Das KSSG ist anfangs 2016 auf Fairtrade-zertifizierte Bettwäsche aus Biobaumwolle umgestiegen. Bisher gibt es in der Schweiz nur sehr wenige Spitaler, die nachhaltig zertifizierte Bettwäsche beschaffen. Marcel Heuberger ist Bereichsleiter und Verantwortlicher für Hauswirtschaft & Areal. Im Interview erläutert er Details des Umstiegs auf nachhaltig produzierte Bettwäsche.

Herr Heuberger, wer führt operativ den Einkauf von Textilien durch?  

Ich bin verantwortlich für die Sortimentsgestaltung und die Strategie. Zusammen mit unserem Einkauf wird die Beschaffung der eigenen Textilien wie Berufsbekleidung abgewickelt. Mit unserer Grösse lohnt sich dieser Mix aus eignen und fremden Textilien ressourcentechnisch.

Mieten oder kaufen Sie Ihre Bettwäsche? 

Vor 10 Jahren sind wir im Flachwäschenbedarf (inkl. Bett- und Frottéwäsche) auf Mietwäsche umgestiegen und bezahlen seitdem einen Nutzungspreis pro Stück und Waschgang. Wir nutzen das RENTEX-System, welches von SaniRent betrieben wird. SaniRent bringt, wäscht und holt die Wäsche. Für uns ist das viel effizienter als mit gekaufter Wäsche. Wir können gar nicht mehr den Lagerplatz für die eigene Wäsche stellen. Dazu übernimmt SaniRent die Verantwortung der Qualität der Textilien und tauscht diese regelmässig aus.

Bei Berufsbekleidung läuft es etwas anders. Wir kaufen die Kleider selbst ein, die Wäscheaufbereitung erfolgt aber in einer industriellen Grosswäscherei. Mengenmässig haben wir mehr Flachwäsche, ca. ¾  Flachwäsche zu ¼  Berufsbekleidung.

Wieviel Wäsche brauchen Sie täglich? 

Wir betreiben insgesamt 800 Betten und benötigen rund 3,2 Tonnen Wäsche pro Tag.

Wann und warum sind Sie auf nachhaltige Bett- und Frottéwäsche umgestiegen? 

Um den Hotellerie-Servicegedanken zu unterstreichen, entschieden wir uns im Jahre 2014 für eine neue und hochwertige Bett- und Frottéwäsche für das KSSG. Dies bedeutet, dass SaniRent dieses Sortiment nur für uns zur Verfügung stellt. Entsprechend einem guten Hotelstandard wählten wir in einer Arbeitsgruppe mit der Pflege die Farbe weiss und das Jacqard-Design aus.

Im Rahmen der Ausrichtung der Textilbeschaffung haben wir entschieden, dass die neue Bett- und Frottéwäsche nachhaltig hergestellt sein soll. Vor einigen Jahren haben wir bereits erste Erfahrungen mit dem Einkauf von Bio-Fairtrade Polo-Shirts gewonnen. Der Tragekomfort ist hoch und die Aufbereitung in der Wäscherei funktioniert auch problemlos. Somit haben wir uns für die Kombination aus Biobaumwolle und Fairtrade entschieden, weil hiermit sowohl ökologische als auch soziale Aspekte der Baumwollherstellung abgedeckt sind. Gemeinsam mit SaniRent haben wir dann geprüft, ob es hier überhaupt ein Angebot für nachhaltige Wäsche gibt.

Bei Frotté sind wir auf Wäsche aus 100% Biobaumwolle umgestiegen, die zusätzlich nach dem GOTS- und dem Max Havelaar Standard zertifiziert ist. Die  Bettwäsche ist zu 80% aus Max Havelaar zertifizierter Biobaumwolle (OCS blended zertifiziert) und zu 20% aus Polyester.

Und wie sind Sie dann bei der Beschaffung der nachhaltigen Wäsche vorgegangen? 

Zur weissen  Bettwäsche wurde ein anthrazitfarbenes Fixleintuch angeschafft. Mit der weissen Bett- und Frottéwäsche sieht dies sehr edel aus. Von unseren Mitarbeitenden haben wir viel positives Feedback bekommen. Die Frottégarnitur umfasst Waschhandschuhe, Hand- und Badetuch.

Zusammen mit SaniRent haben wir die Umlaufmenge bestimmt. Daraus resultierte der Mengenbedarf. Somit konnte SaniRent als Eigentümer der Ware die Ausschreibung tätigen. Zusammen mit SaniRent wurden die Muster und das Angebot geprüft und im Anschluss erfolgte die Zusage an Dibella.

Die meisten Spitäler befürchten, dass Bio-Fairtrade-Wäsche teurer ist als die konventionelle Wäsche. Wie schaut das bei Ihnen aus?

Auf den Stückpreis macht dies weniger als 1% aus, was sich bei unserem hohen Wäschevolumen nur minimal niederschlägt.

Wie ist die Qualität der Biowäsche im Vergleich zu Wäsche aus konventioneller Baumwolle?

Die Patienten können nach dem Austritt eine schriftliche Rückmeldung über den Spitalaufenthalt abgeben. Dies wird häufig benutzt. Dabei gab es bis heute bezüglich der Qualitätsunterschiede der Bett- und Frottéwäsche keine Reklamationen. Ich bin aber überzeugt, dass die hohe Qualität der genannten Wäsche geschätzt wird. Für uns hat sich dieser Wechsel auf jeden Fall gelohnt.

 

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